Bild

Volkstimme Magdeburg – Mietrebellen ziehen durch Stadtfeld!

12063632_825627910889344_5637789186350688907_n

Advertisements

Wider der Gentrifizierung !

Kiezdemo der Stadtfelder Mietrebellen gegen Gentrifizierung

Wenn angestammte, verwurzelte Mieter durch steigende Mieten aus dem Kiez und ihrem sozialen Umfeld vertrieben werden, wenn die alten Mieter durch ein zahlungskräftigeres Klientel ersetzt werden, um den Kiez in ein vermeintlich attraktiveres Viertel umzugestalten, dann ist es Gentrifizierung.
Gentrifizierung findet auch in Magdeburg statt, ob in Buckau oder Stadtfeld, überall, schleichend.

Widerstand gegen Mietsteigerung, Aufwertung und Verdrängung, das ist das erklärte Ziel der Stadtfelder Mietrebellen.
Mit ihrer Kiezdemo am Tag der Deutschen Einheit wirft das Stadtfelder Aktionsbündnis den städtischen Verantwortlichen, der Politik und der Immobilienwirtschaft in Magdeburg vor „über unsere Köpfe hinweg zu planen und zu entscheiden. Wir gehen auf die Straße, um Widerstand gegen Mietsteigerung, Aufwertung und Verdrängung zu leisten“. Die Stadtfelder Mietrebellen wehren sich gegen „steigende Mieten, Aufwertung, Verdrängung und fehlende billige Wohnungen.“ Ihre Forderungen: „Mieten runter – Löhne rauf“ und „Kein Tag ohne soziale Frei-Räume !“

Weitere Informationen:

Wohnprojekt Alternative Sinnflut
Mietrebellen.

Text: Anna Gramm
Fotos: Wenzel Oschington

Erklärung des Anmelders der Demonstration „Kein Tag ohne (soziale)Freiräume – Mieten runter, Löhne hoch! vom 3.10.2015 in Magdeburg

kiezdemo-stadtfeld-mietrebellen-009

In diesen Tagen konnten wir den Vollrausch der staatlich organisierten Jubelfeiern anlässlich des sogenannten „Tag der Einheit“ erleben. Die selbstherrliche Beweihräucherung der Vertreter/innen des kapitalistischen Profitsystems, einer Gesellschaft die „kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übriggelassen(hat) als das nackte Interesse, als die gefühllose „bare Zahlung“(kommunistisches Manifest), zeigte deutlich, dass es eine kritische bürgerliche Öffentlichkeit nicht mehr gibt. Sei es die aggressive Außenpolitik der BRD, die Verschärfung der sozialen Konflikte im Inneren und die kontinuierliche Erweiterung der Allmacht des Staates gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern, es gebe sehr viele Themen, die anlässlich dieses Tage zu hinterfragen wären. 

Im Konkreten bedeuten „25 Jahre Einheit“, dass Stadtfeld/Ost, ein Stadtteil in Magdeburg, den Interessen des Kapitals untergeordnet wurde. Die Bewohner/innen, überwiegend Arbeiter/innen, Punks und Migranten/innen wurde durch Luxussanierungen zunehmend verdrängt, um den Statthaltern des Kapitals, dem Mittelstand, Platz zu machen.

Bewusst wählten Bürgerinnen und Bürger diesen Tag, um auf die Situation in Stadtfeld /Ost mit einer Demonstration aufmerksam zu machen. Schon mit dem überdimensionierten Aufgebot der Polizei, gegenüber der Anzahl der Teilnehmer/innen der Demonstration, machte die im Auftrag der bürgerlichen Parteien und des Kapitals agierende Polizei deutlich, dass kritische Stimmen an diesem Tag nicht erwünscht sind.

Unmittelbar vor dem Ende der Demonstration kam es zu einer, der Situation nicht angemessenen, Reaktion der Polizei. Innerhalb der Demonstration wurden zwei Pyros (Pyrotechnik, Leuchtfeuer),  entzündet. Dies nahm die Polizei zum Anlass, um durch ihr aggressives Auftreten eine Weiterführung der Demonstration zu behindern. Die Demonstrationsteilnehmer/innen beschlossen, sich diesen Bedingungen nicht zu fügen und beendeten die Demonstration. Daraufhin begann die Polizei wahllos sowohl auf die Teilnehmer/innen der Demonstration – als auch auch auf Passanten/innen – einzuschlagen. Ebenso wahllos wurde ein Mensch, offensichtlich um die Mindestanzahl der durch das Polizeipräsidium vorher festgelegten Anzahl von Verhaftungen zu erreichen, in Gewahrsam genommen.

Anschließend wurde unser Stadtteil noch stundenlang von Polizeikräften belagert.

Ich rufe die Bürgerinnen und Bürger auf, sich nicht durch die Unterdrückung kritischer Stimmen und die Polizeigewalt einschüchtern zu lassen. Im Gegenteil: Widerstand  in der Schule, im Betrieb und auf der Straße  sind nötiger denn je, und wir werden uns dieses Recht, ganz im Sinne der Demonstration „Was macht den Vermietern Dampf – Klassenkampf“, nicht nehmen lassen.

Solidarische Grüße an den Menschen, der durch die Polizei verhaftet wurden.

Matthias Kramer

Ladenfläche in Magdeburg-Stadtfeld für Infoveranstaltung besetzt

Im Rahmen der Initiative “Kein Tag ohne soziale Freiräume – Mieten runter Löhne rauf“ haben wir heute eine leer stehende Ladenfläche in Magdeburg-Stadtfeld für eine Infoveranstaltung geöffnet. Rund 20 Leute machten sich es in dem schon seit etlichen Jahren leer stehendem Haus gemütlich und lauschten den Referenten. Dazu wurden Schmalz-, Käsestullen und Getränke gereicht. Zuerst folgte ein kurzer Input darüber warum wir diesen Ort ausgewählt haben. Mit dieser kurzzeitigen Enteignung wollten wir deutlich machen, dass es selbst im sanierten Stadtfeld immer noch Freiräume gibt, die es sich anzueignen gilt. Während Hauseigentümer in Stadtfeld die dicke Kohle machen, müssen ArbeiterInnen und Arbeitslose ihre Wohnungen räumen und werden verdrängt. Zudem sollen Flüchtlinge in Wohncontainer einquartiert werden, da angeblich nicht genügend Wohnraum vorhanden wäre.Auf der anderen Seite stieg der Leerstand bei den großen Wohnungsunternehmen in Sachsen-Anhalt 2015 erstmals seit zehn Jahren wieder an. 2014 standen unglaubliche 12 Prozent von rund 345.000 Wohnungen der kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungswirtschaft leer. Das entspricht fast jeder achten Wohnung. Im Jahr zuvor lag die Quote noch bei ca. 11,7 Prozent.
Gleichzeitig sollen in Magdeburg 4000 Kleingärten für Bauland weichen, um lediglich den Profit zu steigern. Einen Wohnungsmangel gibt es hier nicht.

Nachdem wir diese Widersprüche deutlich gemacht hatten, gab es einen kurzen Vortrag  über die Motivation und  Ursprünge der gemeinsamen Freiraumkampagne und deren Inhalte.  Denn uns geht es nicht nur darum unsere Freiräume zu verteidigen, sondern diese auch langfristig zu erweitern. Nach Abschluss des Vortrages und einer ausführlichen Besichtigung der Räumlichkeiten hängten wir noch einige Transparente zur Straße raus und beendeten störungsfrei die Veranstaltung. Kurt Krause, Sprecher von “zusammen kämpfen [Magdeburg]“ zeigte sich zufrieden zum Verlauf und Feedback der Aktion: „Natürlich hatte die heutige Veranstaltung zunächst einen symbolischen Charakter, dennoch war es für uns ein Schritt um deutlich zu machen, es ist möglich leer stehende Räume nutzbar zu machen. Für uns war es wichtig gegen Aufwertung und Verdrängung gemeinsam vorzugehen, denn nur als kämpfende Klasse können wir die Situation zu unseren Gunsten verändern.“

Häuserkampf ist Klassenkampf
So wie Umstrukturierung, Verdrängungsprozesse und Mietwucher Angriffe auf die Lebensverhältnisse unserer Klasse sind, diktiert durch die Profitgier der Besitzenden, sind Hausbesetzungen die richtige Antwort von unten. Häuserkampf ist Klassenkampf. Besetzungen sind ganz praktische Aneignungsprozesse, die darauf abzielen privates Eigentum zu vergesellschaften. Hausbesetzungen sind also im kleinen dass, was der revolutionäre Prozess im Großen ist, die Enteignung von Kapitalisten zu Gunsten der Allgemeinheit.

Platz für kulturelle und soziale Projekte von unten
Doch Häuserkampf ist nicht nur Klassenkampf in Reinform. Soziale Freiräume wie bspw. besetzte Häuser bieten auch den nötigen Platz für die Entwicklung proletarischer Projekte – von Selbsthilfeinitiativen wie Voküs, Rechts – und Sozialberatung, Dusch- und Waschmöglichkeiten, Pennplätze für Obdachlose und Refugees, Fahrradselbsthilfewerkstatt, Konzerte, Feste, Workshops und Sportmöglichkeiten.
Packen wir es selbst an, es gibt gibt genug Platz und Flächen in denen wir unsere Bedürfnisse ausleben und praktisch umsetzen können.

Wohnraum statt Leerstand!
Hoch die internationale Solidarität!

Alle zur Demo: Samstag | 3. Oktober 2015, 16 Uhr | O-Platz Magdeburg-Stadtfeld
Kein Tag ohne soziale Freiräume! Miete runter – Löhne rauf! Gemeinsam gegen hohe Mieten, Aufwertung und Verdrängung!

4000 Gärten sollen weg! – Widerstand ist machbar!

4000 Gärten sollen weg! – Widerstand ist machbar! IMG_3022

Wir haben uns solidarisch mit den Kämpfen der KleingärtnerInnen in Magdeburg gezeigt. Durch das Aufhängen eines Transpis und verschiedenen Gesprächen drückten wir den KleingärtnerInnen unsere Solidarität aus. Ebenfalls machten wir klar, daß wir den Widerstand gegen die Verdrängungs-Versuche der Stadt unterstützen werden.IMG_3028

Bis Oktober 2015 soll das neue Kleingartenentwicklungskonzept beschlossen werden. Aus dem 100-Seiten-Papier geht hervor, dass in den nächsten zehn Jahren bis zu 4000 Schollen im Stadtgebiet wegfallen sollen. Grund ist angeblich der immer größer werdende Leerstand in den Sparten. Die meisten Gärten sollen in Bauland verwandelt werden: es sollen auf den Grundstücken neue Eigentumshäuser entstehen. Magdeburg zählt mit 6,83 Kleingärten mit je 100 Einwohnern zu den Städten mit der größten Kleingarten-Dichte in Deutschland; der Bundesdurchschnitt liegt laut Stadtverwaltung bei vier Kleingärten.

Die KleingärtnerInnen aus Magdeburg sind jedoch seit 2012 sehr kämpferisch und wollen sich nicht einfach so verdrängen lassen:

„Wir werden keine Bettelbriefe an den Oberbürgermeister schreiben, sondern gründen eine Kleingartenpartei, die Aufsehen erregt und in den Stadtrat will. Wir rufen alle Pächter auf, der Partei beizutreten. 14 000 Kleingärtner in Magdeburg sind eine Macht.“

Wir als Initative Mietrebellen Stadtfeld unterstützen den außerparlamentarischen Widerstand auf der Straße und rufen alle KleingartenbesitzerInnen auf am 3. Oktober 2015 gemeinsam gegen Verdrängung auf die Straße zu gehen!

Friede den Gärten – Krieg den Palästen!

Kein Tag ohne Garten!
Kein Tag ohne soziale Freiräume!

Grußwort von Thomas Meyer-Falk zur Stadtteildemo am 3. Oktober in Magdeburg

thomas

Thomas Meyer-Falk hat anlässlich unserer Demonstration am 3. Oktober 2015 ein Grußwort verfasst, welches wir hiermit veröffentlichen:

Auch Gefangene sind von den Entwicklungen im Mietsektor betroffen. Spätestens dann, wenn ihre Freilassung bevor steht und sie vielleicht versuchen in ihr vertrautes Umfeld zurück zu kehren.

Vielfach werden sie sich die Rückkehr dorthin nicht mehr leisten können, insbesondere wenn es sich um zu Spekulationsobjekten geronnene Szene-Viertel handelt.

Aktuell können wir alle ganz besonders deutlich spüren, was es heißt in einer globalisierten Differenzgesellschaft zu leben.

Da stehen teure, exklusive Wohnparks leer, während gleichzeitig Flüchtlinge auf der Strasse oder in Zelten zu leben gezwungen werden. Hier zeigt sich die Ausgrenzungsfunktion von ihrer ganz hässlichen Seite.

Und deshalb sind Proteste wie die am 3. Oktober so wichtig. Wir dürfen den Spekulanten und Eliten, oder jenen die sich für die Elite halten, nicht kampflos unseren Lebensraum überlassen.

Herzliche und solidarische Grüße aus Freiburg

Thomas-Meyer-Falk

-Langzeitgefangener-

http://www.freedom-for-thomas.de/thomas/index.shtml

Schreibt und unterstützt Thomas:

Thomas Meyer-Falk

c/o JVA (SV Abt.)

Hermann-Herder-Str. 8

79104 Freiburg

3.Oktober 2015 – Kiezdemo in Stadtfeld !

 

Am Samstag, den 3.Oktober 20015, werden wir gemeinsam gegen hohe Mieten, Aufwertung, Verdrängung und für die Verteidigung unseres Infoladens auf die Straße gehen:

Demo: Samstag | 3. Oktober 2015, 16 Uhr | O-Platz Magdeburg-Stadtfeld
Kein Tag ohne soziale Freiräume! Miete runter – Löhne rauf! Gemeinsam gegen hohe Mieten, Aufwertung und Verdrängung!

Aufruf:
Steigende Mieten, Aufwertung, Verdrängung und fehlende billige Wohnungen – Stadtfeld wird  seit vielen Jahren aufgewertet. Immobilien-, Versicherungsbüros, Luxus-  und Eigentumswohnungen prägen mehr und mehr das Kiezbild. Der öffentliche Raum ist geprägt von Verbotsschildern, Zäunen und dem patrouillierenden Ordnungsamt. In allem geht es immer um eins – Profit. Der Raum wird knapper und die Luft für uns zusehends dünner. Immer mehr Nachbarinnen und Nachbarn werden aus unserem Viertel verdrängt.
All diese Maßnahmen werden von den städtischen Verantwortlichen, der Politik und der Immobilienwirtschaft über unsere Köpfe hinweg geplant und entschieden. Doch wir werden uns wehren und nicht länger tatenlos zusehen, wie Menschen verdrängt werden und ihnen ihr jahrelanges Zuhause gestohlen wird.

Wir wollen als aktive MieterInnen gemeinsam mit euch am 3. Oktober 2015 um 16.00 Uhr auf die Straße gehen um Widerstand gegen Mietsteigerung, Aufwertung und Verdrängung zu leisten.

Yuppies im Kiez …
Anfang der 90er Jahre war Stadtfeld ein unsaniertes Viertel, in dem wir Arbeiterinnen und Arbeiter, Arbeitslose, Punks, Migrantinnen und Migranten gemeinsam lebten und kämpften. Sichtbar war das am Straßenbild in Stadtfeld und an der Vielzahl von besetzten Häusern und Kneipen. Der „Kampf gegen Graffitis, Aufkleber und Plakate“, Evakuierungen bei „Bombenalarm“, die Mobilisierung gegen die „Wasserflut“ beim Hochwasser und die komplette Abrieglung eines Stadtteils, weil Menschen eine Facebook Party machen wollten – unser Leben wird zusehends von den Methoden der Aufstandsbekämpfung der Kapitalisten bestimmt.

Dabei ist es in Magdeburg gerade die Innenstadt, die durch riesige Konsumtempel, Büroflächen (zum Teil leerstehend) und überteuerte Luxuswohnungen gekennzeichnet ist. Das Ordnungsamt und Polizei sorgen zusätzlich dafür, dass die Zahlungskräftigen nicht durch den Anblick von Obdachlosen, BettlerInnen und Punks in ihrem Kaufrausch gestört werden. Das macht nur deutlich warum wir uns auch in Stadtfeld mit weiteren Verdrängungsmaßnahmen konfrontiert sehen:
MittelstandsmieterInnen mit  Mittelstandsbedürfnissen im Zusammenspiel mit Kapitalisten und Hauseigentümer schaffen sich „ihr“ Viertel. Sanierung mit anschließender Mietsteigerung bis zu 100% greifen um sich und Luxusappartments sprießen wie am Schlachthof aus dem Boden. Seit dem Stadtfeld als „In-Viertel“ verschrien ist, werden selbst schlecht und oberflächlich renovierte Wohnungen für viel Geld angeboten.
Soziale Wohnprojekte und Traditionskneipen, wie der „Denker“, wurden für Luxuswohnungen platt gemacht. Bezahlbare Mietwohnungen werden zur Ausnahme.
Dabei ist es oft das gleiche Schema: In den meisten Fällen werden einfach Anschreiben versendet mit der eine Sanierung angekündigt wird. Den MieterInnen wird angeboten eine Ersatzwohnung zu beziehen um nach der Sanierung, zu deutlich höheren Mieten, wieder in ihre alte Wohnung zurück zu dürfen. Unser Soziales Zentrum in der Alexander-Puschkin- Str. 20 ist ebenfalls von Modernisierungsmaßnahmen betroffen. Seit dem Aufkauf des Gebäudes durch Berliner Miethaie wird dem Sozialen Zentrum durch Sanierung und Mietsteigerungen von nahezu 100% Stück für Stück die Räume genommen.
Das Ziel hinter all diesen Maßnahmen ist klar: Stadtfeld als nahe gelegenes Viertel zur Innenstadt soll den Reichen und Mittelständigen zur Verfügung stehen, wir Prolls und „Unterschichten“ sollen an den Stadtrand gedrängt werden.

Wohnungspolitik ist Klassenkampf …
In der globalen Krise des Kapitalismus verschärft sich die Wohnsituation immer weiter. Bundesweit sind die Mieten seit den 90er Jahren um 30 % gestiegen. Soziale Zentren, Jugendclubs und andere Räumlichkeiten, in denen sich Menschen ohne kommerziellen Hintergrund treffen können, sind bedroht. Investitionen in Immobilien galten im Kapitalismus schon immer als lohnenswert. Sie versprechen Krisensicherheit in einem System, was ohne Krisen nicht auskommt. In der aktuellen Immobilien- und Finanzkrise haben Immobilien nun mehr denn je das Image des sicheren „Betongolds“. Geld lässt sich dort nicht nur „sicher parken“. Wo Mietsteigerungspotential ist, lockt auch mehr Profit. Das hat zur Folge, dass für proletarische Mieterinnen die Lebenserhaltungskosten stark steigen, die Reallöhne jedoch gleich bleiben bzw. sinken und sie immer häufiger unfreiwillig ihre Wohnungen verlassen müssen. Dass für sie ihr Zuhause, ihr Zufluchtsort und Lebensmittelpunkt auf dem Spiel steht, hat in dieser kapitalistischen Rechnung keinen Platz. Während die da Oben meinen wir müssen den Gürtel enger schnallen, streicht ihr Hauseigentümer und Kapitalisten, eben die Profiteure des Immobilienmarktes, immer höhere Gewinne ein – kauft euch ein noch größeres Eigenheim, Luxusyachten und noble Karren.

Der Stadtteil denen, die drin wohnen
Ein kollektiver Widerstand gegen Mietsteigerung, Aufwertung und Verdrängung geht uns alle etwas an. Nur gemeinsam als Teil einer kämpfenden Klasse können wir die Situation verändern. Es liegt an uns die Dinge wieder selbst in die Hände zu nehmen um auf diese und viele weitere Fragen praktische Antworten zu finden. Uns ist klar, dass sich nicht alles in wenigen Tagen umsetzen lässt. Manches wird einen längeren Prozess benötigen, anderes können wir schon morgen schaffen. Dafür müssen wir uns als Menschen und NachbarInnen kennenlernen, die Vernetzung untereinander stärken und unsere Forderungen zusammenbringen.
Von kraftvollen Demonstrationen und Graffities, die unsere Forderungen auf die Straße tragen, über Kundgebungen und Infostände, bis hin zur praktischen Enteignung von Räumen – die Möglichkeiten sind vielfältig schon jetzt einzugreifen und aktiv zu werden.

Wir werden uns nicht aus unserem Viertel und unseren Freiräumen verdrängen lassen. Unseren Wohnraum und unsere Projekte werden wir verteidigen und unseren Widerstand mit den verschiedensten, solidarischen Formen zum Ausdruck bringen.

Der Infoladen bleibt!
Selbstverwaltete Räume erkämpfen und erhalten!
Schluss mit Mietsteigerungen und Vermieterterror!
Für die Enteignung und Kollektivierung der Häuser und Betriebe!

“Initiative Mietrebellen“
initiativemietrebellenmd@riseup.net

Infoladen / Soziales Zentrum
http://www.mietrebellen.wordpress.com
Wohnprojekt Alternative Sinnflut
wohnprojektalternativesinnflut@gmx.de / http://www.facebook.com/wohnprojekt.asf.9
Netzwerk Freiheit für alle politischen Gefangenen [Magdeburg]
http://www.political-prisoners.net
zusammen kämpfen Magdeburg
http://www.zusammen-kaempfen.tk / zusammen-kaempfen@riseup.net
Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter Union Magdeburg
http://www.fau.org  / faumd@fau.org

Kein Tag ohne soziale (Frei-) Räume!- goes Berlin

Am 27. Juli 2015 protestierten wir  in Berlin gegen die  Verdrängung unseres Infoladens in Stadtfeld/ Magdeburg.  Bewaffnet mit einem Megaphon und einigen Transparenten machten wir uns auf den Weg aus der  Alexander-Puschkin-Straße in die Berliner Potsdamer Straße.            Dort machten wir unserem Unmut über Mietsteigerung und der drohenden Verdrängung unseres Ladens Luft. Vor dem sogenannten Stadtpalais in der Potsdamer Straße 98,( unserer neuen Hausverwaltung,)  machten wir mit solidarischen GenossInnen deutlich ,daß wir uns nicht ohne Widerstand verdrängen lassen werden …

Kein Tag ohne soziale (Frei-) Räume!- Mieten runter Löhne rauf !

(sommer 2015)

Yuppies im Kiez …

Fehlende billige Wohnungen, steigende Mieten, Verdrängung, dass kennen
wir – denn Stadtfeld (Magdeburg) wird seit vielen Jahren aufgewertet.
Immobilien-, Versicherungsbüros und Luxuswohnungen prägen mehr und mehr
das Kiezbild. Der öffentliche Raum ist geprägt von Verbotsschildern,
Zäunen und dem patrouillierenden Ordnungs-amt. Der „Kampf gegen
Graffitis, Aufkleber  und Plakate“,  Evakuierungen bei „Bombenalarm“,
die Mobilisierung gegen die „Wasserflut“ beim Hochwasser und die
komplette Abrieglung eines Stadtteils, weil Menschen eine Facebook Party
machen wollten – unser Leben wird zusehends von den Methoden der
Aufstands-bekämpfung der Kapitalisten bestimmt.
In allem geht es immer um eins – Profit. Anfang der 90er Jahre war
Stadtfeld ein nicht saniertes Viertel, in dem wir, Arbeiterinnen und
Arbeiter, Punks, Migrantinnen und Migranten, gemeinsam lebten und
kämpften. Sichtbar war das an der Vielzahl von besetzten Häuser und
Kneipen, unter anderem_ in der Immermann-, Friesen-, Uhland- und Große
Diesdorfer Straße.

Es wird zusehends teurer und enger für uns in Stadtfeld.
Mittelstandmieter/innen mit Mittelstandsbedürfnissen im Zusammen- spiel
mit Kapitalisten und Hauseigentümer schaffen sich „ihr“ Viertel.
Sanierung mit an-schließender Mietsteigerung bis zu 100% greifen um sich
und Luxusappartments sprießen wie am Schlachthof aus dem Boden._ Seit
dem Stadtfeld als „In-Viertel“ verschrien ist, werden selbst schlecht
und oberflächlich renovierte Wohnungen für viel Geld angeboten. Dabei
tritt u.a. vermehrt Schimmel in „frisch sanierten“ Wohnungen auf. Es
geht durchaus noch schlimmer. Im März 2014_ mussten wir erleben, dass
ganze Balkonteile, auf denen sich Menschen befanden, in der Immermann
Straße zusammen stürzten. Diese Menschen erlitten bleibende
Gesundheitsschäden. Soziale Wohnprojekte und Traditionskneipen, wie der
„Denker“, wurden _ für Luxus-wohnungen platt gemacht.
Bezahlbare Mietwohnungen werden zur Ausnahme. Ganz Aktuell betroffen von
dieser Entwicklung sind u.a. der letzte unsanierte Block

in der Goethestraße, die Wohnblöcke in der Eisner Straße sowie das
soziale Zentrum in der Alexander-Puschkin str. 20. Seit dem Kauf des
Gebäudes durch Berliner Spekulanten werde dem sozialen Zentrum durch
Sanierung und Mietsteigerungen von nahezu 100% Stück für Stück die Raüme
genommen.
Das Ziel dahinter ist klar, Stadtfeld, als nahegelegenes Viertel zur
Innenstadt, soll den Kapitalisten und den Mittelständigen zur Verfügung
stehen, wir Prolls und „Unterschichten“ werden an den Stadtrand gedrängt.

Wohnungspolitik ist Klassenkampf …

In der globalen Krise des Kapitalismus verschärft sich die Situation.
Bundesweit sind die Mieten seit den 90er Jahren um 30 % gestiegen.
Soziale Zentren, Jugendclubs und andere Räumlichkeiten, in denen sich
Menschen ohne kommerziellen Hintergrund treffen können, sind bedroht.
Menschen unserer Klasse werden aus den Innenstädten verdrängt. In den
Regionen außerhalb der großen Städte, wie Magdeburg und Halle,
verschlechtert sich_ die Lage der Mieter/innen noch mehr.
Investitionen in Immobilien galten im Kapitalismus immer schon als
lohnenswert. Sie versprechen Krisensicherheit in einem System, was ohne
Krisen nicht auskommt. In der aktuellen Immobilien- und Finanzkrise
haben Immobilien nun mehr denn je das Image des sicheren „Betongolds“.
Geld lässt sich dort nicht nur „sicher parken“. Wo
Mietsteigerungspotential ist, lockt auch mehr Profit. Das hat zur Folge,
dass für proletarische Mieterinnen die Lebenserhaltungs-kosten stark
steigen, die Reallöhne jedoch gleich bleiben bzw. sinken _ und sie immer
häufiger unfreiwillig ihre Wohnungen verlassen müssen. Dass für sie ihr
Zuhause, ihr Zufluchtsort und Lebensmittelpunkt auf dem Spiel steht, hat
in dieser kapitalistischen Rechnung keinen Platz.

Widerstand ist machbar – Stadtfeld gehört uns den Prolls, Punks,
Sprayern und_ Migranten!

Ein kollektiver Widerstand gegen Sozialabbau, Mietsteigerung und
Verdrängung geht uns alle etwas an. Nur gemeinsam als Teil unserer
kämpfenden Klasse können wir die Situation verändern. Mit unserer
Fähigkeit zur Selbstorganisation werden wir an diesem kapitalistischen
Normalzustand rütteln. Wir werden uns nicht aus unserem Viertel und
unseren Freiräumen verdrängen lassen.
Unseren Wohnraum und unsere Projekte werden wir verteidigen und unseren
Widerstand mit den verschiedensten, solidarischen Formen zum Ausdruck
bringen.

Die Häuser denen, die drin wohnen

Gemeinsam wollen wir weitere Mietsteigerungen in unserem Kiez verhindern
und den Kampf gegen eben diese organisieren. Ebenso wollen wir den
Wegzug von Menschen unserer Klasse aus unserem Viertel stoppen. Um
unsere Ziele zu erreichen, werden wir uns perspektivisch in einem
proletarischen Stadtteilrat organisieren. Diesen sehen wir auch als
einen ersten Schritt hin zu einer Gesellschaft, in der allen gemeinsam
die Häuser gehören.

Wohnraum für alle und das umsonst!
Das soziale Zentrum bleibt!
Für die Vergesellschaftung der Häuser und Wohnungen!

Kontaktadresse
Soziales Zentrum
Alexander Puschkinstraße 20
39108 Magdeburg

Keine Profite mit der Miete!

Keine Profite mit der Miete!

Viele Menschen stellen sich Tag für Tag die gleichen Fragen: Wie weit wird sich unsere Stadt oder unser Kiez noch verändern? Wer kann sich überhaupt noch eine Wohnung in Innenstadtnähe oder in Stadtfeld leisten? Gibt es noch bezahlbaren Wohnraum oder soziale Freiräume hier im Stadtteil, die nicht von kommerziellen Interessen geprägt sind? Was kann ich tun, um mich gegen die zunehmende Verdrängung aus den Stadtteilen zu wehren?

Mitte 1990-er Jahre begann in Stadtfeld eine erste Sanierungswelle in dem von vielen Altbauten geprägten Kiez. Die Verdopplung der Miete und die Verdrängung vieler Freiräume und Treffpunkte in Form von besetzten Häusern, proletarischen Kneipen u.v.m. waren die Folge. Der Pfusch an den Baumaßnahmen und der Blick auf Gewinnorientierung hat mittlerweile schon die zweite Sanierungswelle zur Folge. Die schon damals sanierten Wohnungen werden erneut aufgewertet und mit den restlich „verwertbaren“ Häusern wird ein lohnendes Geschäft gemacht. Das macht Mieterhöhungen und Verdrängung für viele BewohnerInnen zum Alltag in Magdeburg-Stadtfeld.

Ob der erhöhte Mietspiegel durch großflächige und teure Sanierungen, oder der Abriss von  Wohnflächen in Randbezirken – der Trend der Aufwertung kennt nur eine Richtung und zwar nach oben. Die steigenden Mieten sind für uns keine abstrakten Zahlen oder gar zwangsläufig unausweichlich, sondern spiegeln sich in den Modernisierungs- und Umstrukturierungsmaßnahmen, den rücksichtslosen Bauarbeiten verbunden mit Mietsteigerung, Räumungstiteln und den erhöhten Betriebskostenabrechnungen wieder.

Begibt man sich auf Wohnungs- oder WG-Zimmer- Suche in Stadtfeld wird es noch schwieriger. Durch die städtischen Umstrukturierungsmaßnahmen im Bereich des Wohnungsbaus (Rückbau und Sanierung an Randbezirken, Aufwertung in der gesamten Stadt) wurde der Wohnungsleerstand verkleinert und so nutzbarer Wohnraum systematisch „verknappt“. Dadurch ist die Nachfrage nach geeigneten Wohnungen recht groß.
Wenn man zur Zeit eine Wohnung in Stadtfeld sucht kann man feststellen, dass bei Wohnungsbesichtigungen mehrere Interessenten um den jeweiligen Wohnraum konkurrieren und die Wohnungseigentümer sich mittels eines Bewerbungsverfahrens aus den „flüssigsten“ Mieter auswählen können. Doch des einen Leid ist des anderen Freud, denn die Hauseigentümer, Makler- und Versicherungsbüros, Unternehmer und die meisten Yuppies profitieren vom Ausverkauf unseres Stadtteils.

Immer mehr Yuppies – Cafes (allen voran Schäfers Bäckerei), das neue BMW- Center in der Maxim- Gorki- Straße, die neuen Lofts in einer ehemaligen Schule (Schillerstraße), der geplante „Boulevards“ an der Gr. Diesdorfer- Str., die neuen Eigenheime im Schlachthofquartier an der Liebknechtstr., die vielen Gerüste in Stadtfelds Straßen machen deutlich – der Mietspiegel wird weiter steigen und Menschen werden gezwungen ihre Wohnungen zu verlassen.

Kiez statt Kies!
Stadtfeld ist in vielen Ecken noch ziemlich bunt, viele Menschen gestalten durch Streetart die Straßen noch selbst – doch die Stadt gibt sich die größte Mühe das Straßenbild zu säubern. Das öffentliche Leben und die Nutzung städtischer Plätze wird weiter reguliert und alles das, was den Städtebauern nicht in den Kram passt wird verdrängt und kriminalisiert. Durch so genannte Alkoholverbote, Bußgeldandrohungen für Hundekot, Aufkleberverbote oder das Bußgeld für „wildes Plakatieren“ (soll mit zu 5000€ geahndet werden) sollen Spekulanten noch gewinnbringender einladen. Die neuerlichen Säuberungsarbeiten aller Laternenpfeiler in der Innenstadt und in Stadtfeld durch die Stadtreinigung ist ein neuer, ganz aktueller Versuch, den es gilt zum Scheitern zu bringen!

Die Gestaltung des Wohnungsmarktes und der Stadtteile orientiert sich gewiss nicht an den Bedürfnissen der BewohnerInnen sondern unterliegt, wie in allen unseren Lebensbereiche, der kapitalistischen Verwertungslogik. Aus Wohnraum und dem Ausverkauf des Stadtteils werden Geschäfte gemacht von denen nur die Eigentümer und Spekulanten profitieren. In Krisenzeiten dienen Immobilien als sichere Anlage, für jene, die eh schon zu den Profiteuren der kapitalistischen Klassengesellschaft gehören.

Dieser gewinnorientierten Wohnungspolitik möchten wir die Kraft unserer Selbstorganisierung entgegensetzten. Die Zustände rund um den Wohnungsmarkt sind nur einige Beispiele der ständigen Ausbeutung im Kapitalismus, der wir aktiv entgegentreten um für eine Gesellschaft fernab von Ausbeutung und Unterdrückung zu kämpfen.
Dafür müssen wir uns noch besser austauschen, vernetzen und wirkungsvolle Initiativen starten um den Besitzern, Eigentümern, Chefs und Nutznießern gehörig aufs Dach zu steigen.
Als Anlaufpunkt kann der Infoladen in der Puschkinstr. genutzt werden um sich zu treffen, zu diskutieren und die einzelnen Bedürfnisse zusammenzubringen.
Ganz praktisch gibt es ebenso viele Möglichkeiten wie wir unsere Sicht der Dinge zum Ausdruck bringen können, um denen, die sich einen teueren Kiez wünschen einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Für einen Kiez ohne Yuppies, Nazis und Ordnungsamt!
Für die soziale Revolution!

zusammen kämpfen [Magdeburg], Oktober 2014
Modernisierung, Sanierung, Verdrängung, … Was tun?
1. Nichts unterschreiben
2. Mit NachbarInnen reden
3. Mieterberatung aufsuchen
4. Vernetzung und Eigeninitiative stärken