(sommer 2015)

Yuppies im Kiez …

Fehlende billige Wohnungen, steigende Mieten, Verdrängung, dass kennen
wir – denn Stadtfeld (Magdeburg) wird seit vielen Jahren aufgewertet.
Immobilien-, Versicherungsbüros und Luxuswohnungen prägen mehr und mehr
das Kiezbild. Der öffentliche Raum ist geprägt von Verbotsschildern,
Zäunen und dem patrouillierenden Ordnungs-amt. Der „Kampf gegen
Graffitis, Aufkleber  und Plakate“,  Evakuierungen bei „Bombenalarm“,
die Mobilisierung gegen die „Wasserflut“ beim Hochwasser und die
komplette Abrieglung eines Stadtteils, weil Menschen eine Facebook Party
machen wollten – unser Leben wird zusehends von den Methoden der
Aufstands-bekämpfung der Kapitalisten bestimmt.
In allem geht es immer um eins – Profit. Anfang der 90er Jahre war
Stadtfeld ein nicht saniertes Viertel, in dem wir, Arbeiterinnen und
Arbeiter, Punks, Migrantinnen und Migranten, gemeinsam lebten und
kämpften. Sichtbar war das an der Vielzahl von besetzten Häuser und
Kneipen, unter anderem_ in der Immermann-, Friesen-, Uhland- und Große
Diesdorfer Straße.

Es wird zusehends teurer und enger für uns in Stadtfeld.
Mittelstandmieter/innen mit Mittelstandsbedürfnissen im Zusammen- spiel
mit Kapitalisten und Hauseigentümer schaffen sich „ihr“ Viertel.
Sanierung mit an-schließender Mietsteigerung bis zu 100% greifen um sich
und Luxusappartments sprießen wie am Schlachthof aus dem Boden._ Seit
dem Stadtfeld als „In-Viertel“ verschrien ist, werden selbst schlecht
und oberflächlich renovierte Wohnungen für viel Geld angeboten. Dabei
tritt u.a. vermehrt Schimmel in „frisch sanierten“ Wohnungen auf. Es
geht durchaus noch schlimmer. Im März 2014_ mussten wir erleben, dass
ganze Balkonteile, auf denen sich Menschen befanden, in der Immermann
Straße zusammen stürzten. Diese Menschen erlitten bleibende
Gesundheitsschäden. Soziale Wohnprojekte und Traditionskneipen, wie der
„Denker“, wurden _ für Luxus-wohnungen platt gemacht.
Bezahlbare Mietwohnungen werden zur Ausnahme. Ganz Aktuell betroffen von
dieser Entwicklung sind u.a. der letzte unsanierte Block

in der Goethestraße, die Wohnblöcke in der Eisner Straße sowie das
soziale Zentrum in der Alexander-Puschkin str. 20. Seit dem Kauf des
Gebäudes durch Berliner Spekulanten werde dem sozialen Zentrum durch
Sanierung und Mietsteigerungen von nahezu 100% Stück für Stück die Raüme
genommen.
Das Ziel dahinter ist klar, Stadtfeld, als nahegelegenes Viertel zur
Innenstadt, soll den Kapitalisten und den Mittelständigen zur Verfügung
stehen, wir Prolls und „Unterschichten“ werden an den Stadtrand gedrängt.

Wohnungspolitik ist Klassenkampf …

In der globalen Krise des Kapitalismus verschärft sich die Situation.
Bundesweit sind die Mieten seit den 90er Jahren um 30 % gestiegen.
Soziale Zentren, Jugendclubs und andere Räumlichkeiten, in denen sich
Menschen ohne kommerziellen Hintergrund treffen können, sind bedroht.
Menschen unserer Klasse werden aus den Innenstädten verdrängt. In den
Regionen außerhalb der großen Städte, wie Magdeburg und Halle,
verschlechtert sich_ die Lage der Mieter/innen noch mehr.
Investitionen in Immobilien galten im Kapitalismus immer schon als
lohnenswert. Sie versprechen Krisensicherheit in einem System, was ohne
Krisen nicht auskommt. In der aktuellen Immobilien- und Finanzkrise
haben Immobilien nun mehr denn je das Image des sicheren „Betongolds“.
Geld lässt sich dort nicht nur „sicher parken“. Wo
Mietsteigerungspotential ist, lockt auch mehr Profit. Das hat zur Folge,
dass für proletarische Mieterinnen die Lebenserhaltungs-kosten stark
steigen, die Reallöhne jedoch gleich bleiben bzw. sinken _ und sie immer
häufiger unfreiwillig ihre Wohnungen verlassen müssen. Dass für sie ihr
Zuhause, ihr Zufluchtsort und Lebensmittelpunkt auf dem Spiel steht, hat
in dieser kapitalistischen Rechnung keinen Platz.

Widerstand ist machbar – Stadtfeld gehört uns den Prolls, Punks,
Sprayern und_ Migranten!

Ein kollektiver Widerstand gegen Sozialabbau, Mietsteigerung und
Verdrängung geht uns alle etwas an. Nur gemeinsam als Teil unserer
kämpfenden Klasse können wir die Situation verändern. Mit unserer
Fähigkeit zur Selbstorganisation werden wir an diesem kapitalistischen
Normalzustand rütteln. Wir werden uns nicht aus unserem Viertel und
unseren Freiräumen verdrängen lassen.
Unseren Wohnraum und unsere Projekte werden wir verteidigen und unseren
Widerstand mit den verschiedensten, solidarischen Formen zum Ausdruck
bringen.

Die Häuser denen, die drin wohnen

Gemeinsam wollen wir weitere Mietsteigerungen in unserem Kiez verhindern
und den Kampf gegen eben diese organisieren. Ebenso wollen wir den
Wegzug von Menschen unserer Klasse aus unserem Viertel stoppen. Um
unsere Ziele zu erreichen, werden wir uns perspektivisch in einem
proletarischen Stadtteilrat organisieren. Diesen sehen wir auch als
einen ersten Schritt hin zu einer Gesellschaft, in der allen gemeinsam
die Häuser gehören.

Wohnraum für alle und das umsonst!
Das soziale Zentrum bleibt!
Für die Vergesellschaftung der Häuser und Wohnungen!

Kontaktadresse
Soziales Zentrum
Alexander Puschkinstraße 20
39108 Magdeburg

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